Bienvenidos a Quito

Quito wirkt an diesem Vormittag sehr friedlich. Die Luft ist frisch und klar, ein bisschen wie im mediterranen Frühling. Nur das Gefühl der Kurzatmigkeit, das schon nach kurzen Anstiegen (und davon gibt es einige, das gestrenge Schachbrettmuster der Verkehrsadern stürzt sich ohne Rücksicht auf die Topographie in tiefe Täler hinab um gleich darauf aberwitzige Steigungen zu erklimmen) auftritt, lässt die Höhe erahnen. Die Straßen sind grün, tropische Vielfalt sprießt aus dem Asphalt. Die Amseln necken sich zwitschernd in den Baumkronen und die leuchtenden Verkehrspolizisten, die an jeder Kreuzung postiert sind, pfeifen nicht minder kunstvoll.

In den Parks herrscht trotz der frühen Stunde Festtagsstimmung. Kinder toben um die Klettergerüste und am Wegesrand sitzen die Indígenas. Eingewickelt in bunte Tücher, gekrönt von Hüten die in Europa nur von alten Herren oder von Jazzmusikern (oder von alten Jazzmusikern) getragen werden und die ihnen ein ziemlich stilvolles Äußeres verleihen, preisen sie in leisem Singsang ihre Waren an. Handschuhe, Obst, Knabberzeug, … Irgendwo knarzt ein Lautsprecher ein naiv gutgelauntes „Canchis, canchis“ und etwas weiter prophezeit ein greiser Prediger die baldige Wiederkehr des Erlösers.

Vor dem Präsidentenpalast protestiert die Stadtreinigung oder die Müllabfuhr, so genau verstehe ich es nicht. Sie sind jedenfalls ziemlich wütend, rufen und klatschen und jagen der Regierung scheinbar einen ordentlichen Schrecken ein, denn die sperrt direkt das Zentrum der kolonialen Altstadt, den Plaza Grande. Ich darf als Touri die Absperrung passieren, wandle durch dieses wirklich schöne städtebauliche Arrangement, mache kitschige Fotos, während hinter mir die Parolen verklingen und fühle mich ein bisschen schlecht.

Die Höhenluft bremst. Ich laufe langsam durch die Stadt, mache viel Pausen und bekomme den Eindruck, dass auch das Leben der Menschen hier etwas ruhiger vonstatten geht. Irgendwann kommt die Sonne raus und lässt die grünen Berge m Ende der Häuserschluchten leuchten. Sie scheint nur kurz, vielleicht eine Stunde. Die aber reicht, um meiner hohen Gringostirn einen ziemlich üblen signalroten Sonnenbrand zu verpassen. Morgen nehm ich Sonnencreme.

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