In La Floresta an der Kreuzung Madrid Ecke Gerona bei den Automechanikern ist eine Mauer mit einem schmiedeeisernen Tor. Dahinter hört die Stadt jäh auf, stürzt den grünen Hang hinunter zum Fluss und auf der anderen Seite des Tals zieht sich die Straße in Dreiecken zwischen Bauernhäuser und kleinen Maisfeldern zu einem bewaldeten Kamm empor. Wir folgen dem Camino de Orellana den Berg hinunter bis nach Guápulo, ein Dorf, das um ein altes Franziskanerkloster gewachsen ist. Tauben flattern über den Vorplatz der Kirche, Vögel zwitschern, aus einem kleinen Laden schleichen Salsa-Rhythmen herüber und der Taxifahrer hofft noch eine Weile, dass wir nicht so dämlich sind, den Rückweg hinauf in die Stadt zu Fuß anzutreten. Nach einer Weile gibt er auf und fährt mit einem kurzen, fragenden Hupen davon. Von weitem rauscht die Schnellstraße, die Stadt ist nah an das bunte Dörfchen herangerückt, hat es aber wohl aufgrund der schwierigen Topographie noch nicht überwuchert. Ihre Hochhäuser verharren in drohender Lauerstellung oben am Hang.

Juan Llumiquinga hat sich oben an diesem Hang ein Haus gebaut. Von der Straße aus gesehen ist es ein unscheinbarer flacher Schuppen ganz aus Holz mit verblichenem Graffiti, dessen Fenster so angeordnet sind, dass man hindurch gucken kann, auf die grünen Hänge jenseits des dahinter liegenden Tals. Er bittet uns hinein. Der Raum ist halb Werkstatt halb Museum. Juan hält ein junges Kätzchen (copo de nieve, Schneeflocke) auf dem Arm als er uns seine Geschichte erzählt. Er ist Mitte sechzig, restauriert Möbel (gerade flicht er die Lehne eines alten Korbstuhls) und hat überall Bilder von sich und seinen Werken aufgehängt, verblasste Aufnahmen aus den siebziger Jahren, die einen stolzen jungen Mann und nicht minder stolze, schwere Möbel aus der Kolonialzeit zeigen. Wir tasten uns höflich, aber zögernd über die bei jeden Schritt leicht nachgebenden Dielen nach vorne. Ganz wie die Stadt ist auch sein Haus nach und nach gewachsen, hat sich scheinbar ohne Plan, nach und nach einfach ausgedehnt, in seinem Fall nach unten, gen Tal, sodass sich mittlerweile drei Stockwerke ganz aus Holz wacklig über dem Abgrund halten. Alles ist wiederverwertet. Nichts ist neu. Er sammelt, was er findet: Holz, Glas, Metall und baut weiter.
