Wir verlassen die Täler des Dschungels, verlassen die fruchtbaren Osthänge der Anden und fahren wieder ins zentrale Hochland. Die Berge sind grün. Nicht grau und schroff wie in Europa. Sanft gewellt überragen sie schützend die kleinen Siedlungen in den schmalen Täler und geben fruchtbaren Boden für Mais und Kartoffeln.
Cuenca
Die Stadt ist eine willkommene Abwechslung zu den im Vergleich geschichts – und gesichtslosen Städten des Amazonasgebietes, die unwirklich und vergeblich wirken inmitten des Dschungels, den man für sie an dieser Stelle ausgelöscht und stattdessen die Böden mit porösem Asphalt versiegelt hat, sodass nichts bleibt von der Umwelt außer der drückend schwülen Hitze und der Feuchtigkeit, welche die Häuser faulen lässt.

Hier im Hochland ist die Luft frisch, die kolonialen Altbauten an den gepflasterten Straßen im historischen Zentrum sind gut erhalten, ohne klinisch oder kitschig zu wirken. Gleichzeitig wirkt die Stadt modern, eine neue Niederflurstraßenbahn fährt durch die Gassen und bedient vorgeschriebene Stationen mit digitaler Anzeigetafel, was angesichts des sonst eher informell wirkenden öffentlichen Verkehrssystems eine kleine Sensation ist. Aus sicherer Beobachterposition im Türrahmen ihrer Kanzleien begutachten Anzugträger die vorbeiziehenden Schüler in wollstrumpfener Uniform. Die Tags und Paste Ups an den bunten Wänden lassen eine Subkultur erahnen, die sich ansonsten in den meisten Gegenden des Landes längst dem Reaggeton-Regime unterworfen hat.


Wenn man am Vormittag auf einem der schönen von Araukarien beschatteten Plätze sitzt, strahlt der Himmel im reinsten Blau über den weißen Türmen der Kirchen. Ein klares Bild aus zwei Farben. Gegen Mittag sammeln sich die Wolken über den Bergen außerhalb der Stadt. Lange verharren sie, türmen weiß-flockige Giganten auf und ziehen sich langsam, unmerklich als graue Masse über den roten Ziegeldächern zusammen. Es dämmert zeitig und pünktlich um drei Uhr beginnt der Regen. Als er eines Tages ausbleibt, nimmt das Licht der Sonne, die schon hinter den Bergen verschwunden, aber noch nicht untergegangen ist, einen senffarbenen, nostalgischen Ton an, den mir die Kamera in allen erdenklichen Einstellungen partout nicht glauben will.

Pumapungo
Eine weitere angenehme Abwechslung der Großstadt sind die Museen. Im Museo Pumapungo wird deutlich, dass wir uns langsam dem Zentrum des Inka Imperiums nähern. Von Cuzco breiteten sie sich nach Norden aus. Wir reisen nach Süden und auf dem Weg werden die Zeugnisse ihres Wirkens häufiger. Das Gebiet des heutigen Ecuadors wurde erst spät erobert. Unter Túpac Yupanqui wurden die hier leben Völker im Laufe des 15. Jahrhunderts unterworfen bzw. in das System integriert. Hier in Cuenca lag eine wichtige Siedlung des besiegten Volkes der Cañari, die unter Huayna Cápac zu einer Provinzhauptstadt der Inka ausgebaut und wenige Jahrzehnte später wieder zerstört wurde. Auf den Trümmern wiederum zogen die Spanier das typische Schachbrettmuster der Kolonialstadt. Mittlerweile schichten sich hier Zeugnisse von mindestens drei Kulturen übereinander. Und durchdringen sich vielleicht. Bei der Vorstellung der Traditionen und Lebensweisen der verschiedenen indigenen Völker Ecuadors sind jedenfalls verdächtig oft christliche Symbole eingeflochten.

Das in der Inkaphase entstandene Pumapungo ist eine wichtige archäologische Ausgrabungsstätte, die viel über die angestrebte spirituelle und soziale Bindung der eroberten Gebiete an das Machtzentrum des Tahuantinsuyo verrät, so wurden beispielsweise riesige Steinblöcke (ohne Kenntnisse von Wagen oder Lasttieren) von Cuzco 1.600 km über die Anden hierher transportiert, obwohl es wahrlich nicht an Baumaterial mangelte.
Doch genug des Geschichtsexkurses, es ist ein ziemlich spannender Ort, dessen Reiz auch die Proberäume des benachbarten Theaters ausmachen, die in einem sachlichen Bau aus den dreißiger Jahren untergebracht sind, der zwischen den Grundmauern der Frauenunterkünfte und der großen leeren Fläche des zentralen Platzes errichtet wurde. Ein Papageienpaar hat sich unter dem Dach ein Nest gebaut und neckt sich im Hof. Vor dem bröckelnden Putz wachsen Feigen- und Avocadobäume und drinnen wird geprobt. Die tiefen Töne eines Kontrabasses wehen über die Grundmauern der Tempelanlage.

Centro Medico
Wir bleiben einige Tage länger als geplant, weil Alex ziemlich hartnäckige Kopfschmerzen hat und beschließen ärztlichen Rat einzuholen. Im medizinischen Zentrum der Fundacio Donum werden wir freundlich von Tür zu Tür geschickt. Eine Runde um die sonnendurchfluteten Gänge. Erst die Anmeldung, dann die Registrierung von einem freundlichem älteren Herren, der leider ziemlich unverständliches Spanisch spricht, dann wird erstmal bezahlt ($ 9,50) und schließlich warten wir auf einer kleinen Sitzgruppe vor einer Tür mit der Aufschrift „Odontologia“. Im nahen Lichthof ist eine Kreissäge zu hören, die mit dem Bohrer des Zahnarztes um die Wette heult. Ein ziemlich unerfreuliches Duett, an dessen Ende eine erleichterte Azuay Familie -Mutter, Kind und Großmutter – das Zimmer verlässt.
Schließlich werden wir zum Arzt vorgelassen. Ein gutmütiger, gut gelaunter Mann mittleren Alters, der an unseren Beweggründen für die anstrengende Arbeit im Dschungel mindestens ebenso interessiert ist, wie an Alex‘ Beschwerden. Er diagnostiziert Spannungskopfschmerzen, ist ziemlich freigiebig mit Medikamenten – die diesbezügliche Philosophie ist hier generell etwas anders als in Europa – und verordnet zusätzlich Physiotherapie.
Bisher hatte ich keine genaue Vorstellung von südamerikanischen Krankenhäusern und hoffte eigentlich nur nie eines von innen sehen zu müssen. Letztlich ist alles halb so wild. Wir verlassen das Centro Medico zumindest beruhigt und guter Hoffnung auf Besserung in den nächsten Tagen, auch wenn sich das verschriebene Medikament als nicht ganz risikofrei herausstellt und Alex es direkt wieder absetzt. Wärmende Kompressen, Ruhe und gymnastische Übungen helfen auch.

Museo Municipal de Arte Moderno
Wir nutzen das reichhaltige Angebot an (fast immer kostenlosen) Museen und besuchen das für moderne Kunst, das im Innern des ebenfalls weiß blauen Gebäudes der ehemaligen Psychiatrie untergebracht ist. Es wird von einer etwas durchgeknallten Einlasserin kontrolliert, deren rauen Stimme durch die Gänge schnarrt, wenn sie neue Gäste begrüßt oder dem Ein-Mann-Sicherheitspersonal Anweisungen erteilt. Auf den gekalkten Wänden in den zahlreichen fensterlosen Räumchen, die um grüne Innenhöfe gruppiert sind, explodieren die Farben. Das Werk des ecuadorianischen Malers Jorge Chalco ist angenehm zugänglich, ohne oberflächlich zu bleiben und passt in das subtropische Ambiente zwischen blühendem Hibiskus und zwitschernden Vögeln.


Hola, ihr Beiden! sieht so aus, als ob es euch gut geht!!! 😀 😀
❤ las Fotos …
Wann kommt ihr zurück nach DD?
LG 😀
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Uns gehts gut, bis auf die kleinen Maladen des Alters^^
Alex kommt Ende Mai wieder zurück, ich hab noch etwas mehr Zeit.
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